Die allermeisten Reisen laufen für schwule Männer genauso entspannt wie für alle anderen. Trotzdem lohnt sich vor jeder Reise ein kurzer Blick auf die Lage am Ziel, denn was zu Hause selbstverständlich ist, kann anderswo verboten oder zumindest riskant sein: das Händchenhalten am Strand, das Doppelbett im Hotel, das Date über eine App. Dieser Artikel zeigt dir, wo du dich verlässlich informierst, worauf du beim Dating unterwegs und an der Grenze achtest und wer dir hilft, wenn doch etwas passiert. Stand ist Oktober 2026.
Wo du dich vor der Reise informierst
Die erste Adresse sind die Reisehinweise deines eigenen Außenministeriums. Sie werden laufend aktualisiert und sind für jedes Land einzeln abrufbar.
Deutschland: Das Auswärtige Amt hat eigene Hinweise für LGBTIQ-Reisende und rät, vorher die Reise- und Sicherheitshinweise des Reiselandes zu lesen.
Österreich: Beim Außenministerium (BMEIA) stehen die Regeln eines Landes in den Reiseinformationen im Kapitel „Besondere Bestimmungen“. Für Ägypten heißt es dort zum Beispiel, dass der Straftatbestand „unsittliches Verhalten“ zum Teil sehr streng ausgelegt wird und auch homosexuelle Handlungen umfasst.
Schweiz: Das EDA veröffentlicht unter Reisen ins Ausland Reisehinweise und die Kontakte der Vertretungen für jedes Land, dazu gibt es die Reise-App Travel Admin.
Niederlande: NederlandWereldwijd hat eine eigene Seite „Kan ik veilig reizen als lhbtiq+ persoon?“. Sie rät, im Reisadvies des Landes vor allem nachzulesen, welche Gesetze und Gebräuche („wetten en gebruiken“) dort gelten.
Für den Überblick verweist das Auswärtige Amt auf die Karten von ILGA, dem internationalen Dachverband queerer Organisationen. Weltweit gibt die Datenbank von ILGA World Auskunft, Land für Land. Für Europa gibt es die Rainbow Map von ILGA-Europe, die jedes Jahr im Mai erscheint. Die Ausgabe vom Mai 2026 bewertet 49 Länder nach 76 Kriterien: Vorn liegt Spanien mit 89 Prozent, ganz hinten stehen Russland und Aserbaidschan mit je 2 Prozent und die Türkei mit 5 Prozent. Die Karte misst Gesetze und Politik, nicht den Alltag.
Wo Sex zwischen Männern strafbar ist
Laut ILGA World, Stand Juni 2026, stellen 65 UN-Mitgliedstaaten einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Menschen gleichen Geschlechts unter Strafe. In 7 davon sieht das Gesetz die Todesstrafe vor, in 5 weiteren ist das rechtlich nicht ganz eindeutig. 2025 stieg die Zahl zum ersten Mal seit fast zehn Jahren wieder: Burkina Faso führte erstmals ein solches Gesetz ein, und in Trinidad und Tobago wurde die Entkriminalisierung wieder aufgehoben. Im Juni 2026 kam nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP Niger hinzu, dessen neues Strafgesetzbuch dafür fünf bis zehn Jahre Haft vorsieht.
Andere Stellen zählen etwas anders: Das Auswärtige Amt spricht von mehr als siebzig Ländern, die niederländische Regierung von gut 60. Die Größenordnung ist dieselbe, und die Liste ändert sich in beide Richtungen. Deshalb findest du hier keine Länderliste, sondern prüfst dein Ziel vor jeder Reise neu. Das Auswärtige Amt erinnert außerdem daran, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen auch dort, wo kein Gesetz sie verbietet, als gesellschaftlich inakzeptabel gelten können, und dass für dich immer die Gesetze des Reiselandes gelten, nicht die von zu Hause.
Dating unterwegs
Eine App zu öffnen und zu sehen, wer in der Nähe ist, gehört für viele zum Reisen dazu. In den meisten Ländern ist das unproblematisch. In manchen aber, so das Auswärtige Amt, überwacht die Polizei Webseiten, Dating-Apps oder Treffpunkte und nimmt LGBTIQ-Personen gezielt über Fake-Accounts ins Visier. Human Rights Watch hat dazu 2023 einen Bericht über fünf Länder im Nahen Osten und in Nordafrika veröffentlicht: Allein für Ägypten, den Irak und Jordanien dokumentiert er 20 Fälle, in denen Sicherheitskräfte LGBT-Personen über gefälschte Profile auf einer Dating-App und auf Facebook in eine Falle lockten. Bei allen dokumentierten Festnahmen wurde das Handy der Betroffenen durchsucht, meist mit Gewalt oder unter Drohungen.
Die zweite Gefahr sind gewöhnliche Kriminelle. Die niederländische Regierung warnt vor Betrügern, die ein Profil anlegen, queere Menschen an einen Ort locken und sie dort misshandeln. Was hilft:
Lies vorher die Länderhinweise. Wo Sex zwischen Männern strafbar ist, ist jedes Date über eine App ein Risiko, auch wenn das Profil echt wirkt.
Erstes Treffen an einem belebten Ort. Nicht im Hotelzimmer, nicht an einer abgelegenen Adresse, die er dir schickt.
Sag jemandem Bescheid. Einer Vertrauensperson, mit wem und wo du dich triffst.
Behalte dein Getränk im Blick. Das Auswärtige Amt rät, Speisen und Getränke nicht unbeaufsichtigt zu lassen, und warnt ausdrücklich vor K.o.-Tropfen.
Sei sparsam mit Bildern und Angaben. Gesicht, Hotel, Zimmernummer und intime Fotos erst, wenn du weißt, mit wem du es zu tun hast.
Im Zweifel diskret bleiben. Das rät auch das Auswärtige Amt: sich nicht auf Diskussionen am falschen Ort einlassen, einfach nicht reagieren und den Ort möglichst verlassen.
Dein Handy an der Grenze
Dein Handy erzählt viel über dich: Apps, Chats, Fotos. In einigen Ländern dürfen Grenzbeamte es durchsehen. Die US-Grenzbehörde CBP etwa schreibt, dass ihre Kontrollbefugnis für alle Reisenden auch elektronische Geräte umfasst. Ist ein Gerät gesperrt und lässt sich nicht prüfen, kann es einbehalten werden, und bei ausländischen Reisenden darf das in die Entscheidung über die Einreise einfließen. Die Zahlen sind klein: Im US-Geschäftsjahr 2025 wurden laut CBP die Geräte von 55.318 Reisenden durchsucht, bei mehr als 419 Millionen Reisenden, die sie an den Grenzübergängen abgefertigt hat. Wer sich aber in einem Land aufhält, in dem Homosexualität strafbar ist, sollte wissen, was auf dem Handy liegt. Und die niederländische Regierung erinnert daran, dass Behörden manchmal mitlesen, was in sozialen Netzwerken geteilt wird.
Ein paar einfache Schritte vor der Reise:
Dating-Apps vor der Einreise abmelden oder löschen und erst wieder installieren, wenn du sicher bist, dass du sie am Ziel nutzen willst.
Vorschauen von Nachrichten auf dem Sperrbildschirm ausschalten.
Intime Fotos und Chats sichern und vom Gerät nehmen, wenn du in ein Land mit Strafgesetzen reist.
Überlegen, was du unterwegs postest und ob dein Standort darin sichtbar ist.
Als Paar unterwegs
Für Paare stellt sich oft die Frage nach dem Doppelzimmer. Das britische Außenministerium weist darauf hin, dass manche Hotels, vor allem auf dem Land, Buchungen von gleichgeschlechtlichen Paaren ablehnen können, und rät, das vorher zu klären. Eine kurze Nachricht an das Hotel erspart dir eine unangenehme Szene an der Rezeption. Dazu kommt: In vielen Ländern wird eine gleichgeschlechtliche Ehe nicht anerkannt, darauf weist das Auswärtige Amt hin. Rechte, die ihr zu Hause als Ehepaar habt, etwa im Krankenhaus, gelten dort womöglich nicht.
Seid ihr ein Paar mit deutlichem Altersunterschied, kann es sein, dass ihr unterwegs mehr auffallt als zu Hause. Rechtlich zählt im Ausland immer das Recht des Reiselandes, auch bei Altersgrenzen. Wer unsicher ist, fragt vorher bei der Botschaft oder dem Konsulat des Reiselandes nach.
Nimmst du Medikamente wie die PrEP oder eine HIV-Therapie, prüf vor der Reise, ob du sie einführen darfst. Laut Auswärtigem Amt beschränken einige Länder die Einreise von Menschen mit HIV. Das britische Außenministerium rät, vorher zu klären, ob du HIV-Medikamente in jedes Land mitnehmen darfst, das du besuchst oder durchreist.
Wenn etwas passiert
Alle vier Länder bieten an, dass du deine Reise vorher einträgst. Dann kann dich dein Außenministerium oder deine Botschaft in einer Krise erreichen. Das ist freiwillig.
Deutschland: die Krisenvorsorgeliste ELEFAND („Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland“) unter krisenvorsorgeliste.diplo.de oder seit Juni 2024 als App. Die Reisedaten werden nach der angegebenen Reisedauer automatisch gelöscht.
Österreich: die kostenlose Auslandsregistrierung des BMEIA, online oder in der Auslandsservice-App. Für Notfälle im Ausland: +43 1 90115 4411.
Schweiz: Travel Admin, online oder als App. Die Helpline EDA ist rund um die Uhr erreichbar unter +41 800 24-7-365 oder +41 58 465 33 33. Das EDA warnt, dass Betrüger diese Nummern schon gefälscht als Absender angezeigt haben: Bei unerwarteten Anrufen gib nichts preis.
Niederlande: die Informatieservice von Buitenlandse Zaken. Das Contactcenter von NederlandWereldwijd ist rund um die Uhr unter +31 247 247 247 erreichbar, per WhatsApp unter +31 857 737 400.
Was kann die Botschaft für dich tun? Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind in den Hauptreiseländern Konsularbeamte auch außerhalb der Dienstzeiten über einen Bereitschaftsdienst erreichbar. Wirst du festgenommen, kann die Botschaft auf Wunsch einen Anwalt vermitteln und deine Angehörigen benachrichtigen. In ein laufendes Gerichtsverfahren eingreifen kann sie nicht, und Kosten etwa für eine ärztliche Behandlung übernimmt sie grundsätzlich nicht. Die niederländische Regierung rät: Wirst du Opfer von Gewalt und bist dir nicht sicher, ob du zur örtlichen Polizei gehen solltest, nimm zuerst Kontakt mit der Botschaft oder dem Konsulat auf. Erstattest du Anzeige, lass dir eine schriftliche Bestätigung geben. Und speichere vor der Reise den örtlichen Notruf, innerhalb Europas ist das die 112.
Nichts davon soll dir die Lust aufs Reisen nehmen. Wer weiß, wie es am Ziel aussieht, kann sich dort freier bewegen.
Auf DaddyBoy
Mit dem Reisemodus setzt du dein Profil für eine begrenzte Zeit an deinen Zielort, andere sehen dann „zu Besuch in …“; überleg vorher, ob du das an deinem Reiseziel zeigen möchtest.


