Die meisten Menschen, die du online kennenlernst, sind genau die, die sie zu sein scheinen. Ein kleiner Teil ist es nicht: Hinter manchen Profilen stecken Betrüger, die es auf dein Geld abgesehen haben, auf intime Bilder oder, seltener, auf ein Treffen, das in einem Überfall endet. Die Polizei in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden warnt seit Jahren vor denselben Mustern. Wer sie kennt, erkennt sie früh. Dieser Artikel will dir keine Angst machen, sondern dir zeigen, worauf du achten kannst und was du tust, wenn doch etwas passiert.

Love Scam: wenn die große Liebe plötzlich Geld braucht

Beim Love Scam, auch Romance Scam oder Liebesbetrug genannt, bauen Täter über Wochen oder Monate eine enge Beziehung auf, meist über Dating-Plattformen oder soziale Netzwerke. Irgendwann kommt die Bitte um Geld: für ein Flugticket, eine Operation, eine Notlage im Ausland. Ein echtes Treffen findet dabei nie statt. Das österreichische Bundeskriminalamt beschreibt, dass sich die Täter gern als Ärzte, Soldaten, Piloten oder Arbeiter auf Ölplattformen ausgeben, also als erfolgreiche Menschen, die gerade im Ausland festsitzen.

Typische Warnzeichen, die die Polizei und die niederländische Fraudehelpdesk nennen:

  • Sehr schnell sehr viel Gefühl. Komplimente vom ersten Tag an, rasch ist von der großen Liebe und gemeinsamen Plänen die Rede.

  • Treffen platzen immer wieder. Kurz vorher kommt ein Unfall, eine Krankheit oder eine andere Notlage dazwischen.

  • Kein Videoanruf. Dein Kontakt kann oder will nicht per Video sprechen. Die Fraudehelpdesk weist darauf hin, dass sich das durch künstliche Intelligenz ändert und auch Videoanrufe gefälscht sein können. Ein Videoanruf ist also ein gutes Zeichen, aber kein Beweis.

  • Schneller Wechsel woandershin. Er möchte bald per WhatsApp oder E-Mail weiterschreiben, weg von der Plattform, auf der ihr euch kennengelernt habt.

  • Geld, Geschenkkarten, Kryptowährung. Die Polizei nennt ausdrücklich Gutscheine und Kryptowährungen als Zahlungswege, die Betrüger verlangen. Auch der Tipp, er sei beim Anlegen sehr erfolgreich und du solltest mitmachen, ist ein Warnzeichen.

  • Geheimhaltung. Du sollst mit niemandem über ihn sprechen, angeblich wegen einer geheimen Mission.

Die Fraudehelpdesk nennt Menschen über 40, Verwitwete und Geschiedene als bevorzugte Ziele. Schon 2019 hatten ihr in den fünf Jahren davor rund 700 Betroffene insgesamt 12,5 Millionen Euro Schaden gemeldet. Für 2023 gibt sie einen durchschnittlichen Schaden von 30.000 Euro je Opfer an. Scham ist dabei fehl am Platz: Die Täter arbeiten mit viel Geduld und System.

Die Bilder-Rückwärtssuche

Viele Fake-Profile nutzen Fotos, die im Netz gefunden wurden: auffallend attraktiv, oft wie aus einem Katalog. Mit einer Bilder-Rückwärtssuche prüfst du, ob ein Foto schon anderswo auftaucht, etwa unter einem anderen Namen. Die Fraudehelpdesk empfiehlt dafür Google Bilder, TinEye oder Yandex. Das österreichische Bundeskriminalamt rät, nach dem Foto zusammen mit dem Wort „Scammer“ zu suchen. Ein weiterer Hinweis können holprige Sätze sein, die nach Übersetzungsprogramm klingen.

Sextortion: Erpressung mit intimen Bildern

Sextortion setzt sich aus den englischen Wörtern „sex“ und „extortion“ (Erpressung) zusammen. Der Ablauf, den die Polizei beschreibt: Ein Flirt in einem Netzwerk oder auf einer Dating-Plattform, dann der Wunsch nach einem Videochat, bei dem du dich ausziehen sollst. Die Täter nehmen das heimlich auf und fordern danach Geld oder weitere Aufnahmen. Sonst, so die Drohung, schicken sie die Bilder an Familie, Freunde oder den Arbeitgeber oder stellen sie ins Netz. Oft stecken organisierte Banden im Ausland dahinter.

Laut der Polizeilichen Kriminalprävention sind die Opfer häufig Männer. Das bayerische Justizministerium schreibt, dass weltweit wie in Bayern vor allem junge Männer mit Nacktfotos oder intimen Videos erpresst werden. Sextortion kann aber jeden treffen, unabhängig von Alter und Geschlecht, wie das österreichische Bundeskriminalamt betont.

Wenn es dich trifft, raten Polizei und Fachstellen in allen vier Ländern zu denselben Schritten:

  1. Nicht zahlen. Die Erpressung hört nach einer Zahlung meist nicht auf, es folgen neue Forderungen.

  2. Nicht mehr antworten. Kontakt abbrechen und den Erpresser blockieren.

  3. Beweise sichern. Screenshots vom Profil und vom Chat, Nachrichten, Links, Datum und Uhrzeit, bevor du blockierst oder löschst.

  4. Melden. Bei der Plattform, auf der der Kontakt entstand, und mit der Bitte, Inhalte zu löschen.

  5. Anzeige erstatten. Mit der Verbreitung von Nacktbildern zu drohen ist strafbar. Die Schweizerische Kriminalprävention weist darauf hin, dass es sich um ein Offizialdelikt handelt, die Polizei ermittelt also von sich aus.

  6. Darüber sprechen. Die niederländische Seite Veilig Internetten sagt es klar: Es ist nicht deine Schuld.

Für Aufnahmen, die im Erwachsenenalter entstanden sind, gibt es außerdem StopNCII.org, ein kostenloses Angebot der britischen Revenge Porn Helpline. Dort wird aus deinem Bild ein digitaler Fingerabdruck erzeugt, das Bild selbst bleibt auf deinem Gerät. Teilnehmende Plattformen können so Kopien erkennen und entfernen.

Eine Sonderform sind Massen-Mails, in denen jemand behauptet, er habe dich über deine Webcam gefilmt. Laut der Schweizerischen Kriminalprävention sind das meist leere Drohungen, hinter denen gar kein Material steckt. Auch hier gilt: nicht zahlen.

Wenn die Drohung das Outing ist

Für schwule und bisexuelle Männer kommt oft eine zweite Angst dazu: dass Familie, Kollegen oder Nachbarn durch die Erpressung von der eigenen Sexualität erfahren. Genau darauf setzen manche Täter. Die Landespolizei Schleswig-Holstein hat im Februar 2024 vor Raubüberfällen gewarnt, bei denen Männer über eine bekannte Dating-Plattform für homo- und bisexuelle Männer an abgelegene Orte gelockt wurden, etwa in Gewerbegebiete, Waldstücke oder Kleingärten. Dort warteten die Täter, schlugen zu und nahmen Geld und Wertsachen mit. Tim Jänke, Ansprechperson der Landespolizei für die LSBTIQ*-Community, sagte dazu: „Die Täter machen sich zu Nutze, dass ihre Opfer aus Scham und aus Angst vor einem Outing nicht zur Polizei gehen.“ Er geht von einer großen Dunkelziffer aus.

Das Wichtigste daran: Du musst dich nicht schämen, und die Polizei ist nicht dazu da, dich zu outen. Frag ruhig nach einer Ansprechperson für queere Menschen, wie es sie in Schleswig-Holstein gibt.

Das erste Treffen: sicher statt misstrauisch

Die Landespolizei Schleswig-Holstein gibt für Verabredungen aus dem Netz diese Tipps, die für jedes erste Date taugen:

  • Verrate anfangs nicht zu viel über dich, etwa Adresse, Geburtsdatum oder Finanzielles.

  • Triff dich beim ersten Mal an einem belebten, öffentlichen Ort, zum Beispiel in einem Café oder Restaurant.

  • Triff dich nur mit jemandem, dessen vollständigen Namen du kennst.

  • Sag einer Vertrauensperson, wann und wo du dich triffst, und nimm dein Handy mit.

Das ist kein Zeichen von Misstrauen gegenüber deinem Date. Wer es ehrlich meint, hat mit einem Kaffee als Anfang kein Problem.

Hier bekommst du Hilfe

  • Überall: In akuter Gefahr den Polizeinotruf wählen, eine Anzeige nimmt jede Polizeidienststelle auf.

  • Deutschland: Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS, 116 006, kostenlos und anonym, täglich von 7 bis 22 Uhr. Infos auf polizei-beratung.de.

  • Österreich: Opfer-Notruf des Weissen Rings, 0800 112 112, kostenlos, anonym und rund um die Uhr. Infos beim Bundeskriminalamt.

  • Schweiz: Meldung und Informationen auf cybercrimepolice.ch und bei der Schweizerischen Kriminalprävention.

  • Niederlande: Fraudehelpdesk, 088 786 73 72; bei Sextortion die Polizei unter 0900 8844 (nach der Abteilung Zeden fragen) und Veilig Internetten.

Auf DaddyBoy

Das Verifiziert-Zeichen zeigt dir, dass jemand sein Alter mit einem Ausweis nachgewiesen hat. Einen Videoanruf kannst du direkt im Chat starten, ohne deine Nummer herauszugeben, und das Zeichen „persönlich bekannt“ zeigt dir, dass mindestens zwei verifizierte Mitglieder ihn aus dem echten Leben kennen. Kommt dir ein Profil oder ein Chat merkwürdig vor, meldest und blockierst du es direkt dort.