Die PrEP gibt es seit Jahren, und trotzdem kreisen um sie viele Fragen: Ist das nur was für Jüngere? Wer zahlt das? Muss ich dafür zu einer bestimmten Praxis? Die Antworten hängen stark davon ab, wo du wohnst. Hier findest du den Stand vom September 2026 für Deutschland, Österreich, die Schweiz und die Niederlande, ohne Panik und ohne erhobenen Zeigefinger.
Was die PrEP ist
PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe. HIV-negative Menschen nehmen dabei ein Medikament aus der HIV-Behandlung ein, eine Tablette mit den Wirkstoffen Tenofovir und Emtricitabin. Gelangt HIV in den Körper, kann es sich nicht vermehren, und eine Infektion wird verhindert. Laut Deutscher Aidshilfe schützt die PrEP bei richtiger Anwendung so gut vor HIV wie Kondome.
Du nimmst sie entweder dauerhaft jeden Tag oder rund um die Zeiten, in denen du ein HIV-Risiko hast. Für die zweite Variante empfiehlt die Deutsche Aidshilfe bei Sex zwischen Männern: zwei Tabletten auf einmal frühestens 24 und spätestens 2 Stunden vorher, dann täglich eine, und nach dem letzten Risiko noch zwei Tage lang je eine. Welche Form zu dir passt, besprichst du in der Praxis. Nicht verwechseln solltest du die PrEP mit der PEP: Die nimmt man erst nach einem Risiko, als Notfallmaßnahme.
Für wen sie gedacht ist
Die Deutsch-Österreichischen PrEP-Leitlinien empfehlen die PrEP für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko. Dazu zählen zum Beispiel Männer, die Sex mit Männern haben und in den letzten drei bis sechs Monaten Analverkehr ohne Kondom hatten oder ihn voraussichtlich in den nächsten Monaten haben werden, und Männer, die in den letzten zwölf Monaten eine Geschlechtskrankheit hatten. Soa Aids Nederland bringt es gut auf den Punkt: Das Risiko hängt nicht davon ab, wer du bist, sondern davon, was du beim Sex tust.
Eine Sache gehört hier dazu: Wer mit HIV lebt, Medikamente nimmt und seit mindestens sechs Monaten eine Viruslast unter der Nachweisgrenze hat, gibt HIV beim Sex nicht weiter. Das ist n=n, „nicht nachweisbar = nicht übertragbar“, auf Englisch U=U.
PrEP kennt kein Rentenalter
Viele ältere Männer denken bei der PrEP an Zwanzigjährige. Die Empfehlungen richten sich aber nach dem Risiko, nicht nach dem Geburtsjahr. Wer nach einer langen Beziehung wieder datet oder einfach neue Menschen kennenlernt, hat genauso Anspruch auf eine gute Beratung wie jeder andere.
Mit den Jahren werden ein paar Punkte wichtiger, und die gehören offen ins Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt:
Nieren: Die PrEP senkt die Nierenleistung etwas. Bei normaler Nierenfunktion spricht nichts dagegen, bei stark verringerter Leistung, etwa durch Diabetes, sollte man sie nicht beginnen. Nach dem Absetzen erholt sich die Niere in der Regel wieder.
Andere Medikamente: Entzündungshemmer und Schmerzmittel können zusammen mit der PrEP die Niere belasten, dann sind die Kontrollen besonders wichtig. Mit Potenzmitteln und Antibiotika verträgt sich die PrEP laut Deutscher Aidshilfe.
Offen reden: Erzähl in der Praxis, was du sonst einnimmst, auch pflanzliche Mittel. Wenn du Eiweiß- oder Kreatinpulver nimmst, sag das ebenfalls, denn es kann die Ergebnisse der Nierenwerte beeinflussen.
Nebenwirkungen, nüchtern betrachtet
Die meisten Menschen vertragen die PrEP gut. Manche haben in der ersten Zeit Übelkeit, Durchfall, Kopf- oder Bauchschmerzen, Müdigkeit oder schlafen schlechter. Das legt sich meist nach einigen Wochen. Selten betreffen Nebenwirkungen Nieren oder Knochen. Genau dafür gibt es die regelmäßigen Kontrollen.
Was die PrEP nicht kann
Die PrEP schützt vor HIV, aber nicht vor Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien oder Hepatitis. Deshalb gehören regelmäßige Tests zur PrEP dazu, damit eine Infektion früh erkannt und behandelt wird. Kondome senken das Risiko für andere Geschlechtskrankheiten zusätzlich. Was du daraus machst, entscheidest du selbst.
Die Kontrollen
Vor dem Start muss ein HIV-Test sicher zeigen, dass du negativ bist, denn eine unerkannte HIV-Infektion lässt sich mit der PrEP allein nicht behandeln. Dazu kommen ein Test auf Hepatitis B und die Nierenwerte. Danach folgen regelmäßige Checks auf HIV und andere Geschlechtskrankheiten, meist im Abstand von etwa drei Monaten. Das niederländische RIVM spricht von zwei bis vier Mal im Jahr.
Deutschland
Seit dem 1. September 2019 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für PrEP-Medikamente und Begleituntersuchungen bei Menschen ab 16 Jahren mit erhöhtem HIV-Risiko. Verschreiben dürfen die PrEP auf Kassenrezept nur Ärztinnen und Ärzte, die sich mit HIV oder der PrEP auskennen. Am Anfang steht ein Beratungsgespräch, danach gibt es ein Rezept für drei Monate und bei jedem Check ein neues. Du zahlst nur den üblichen gesetzlichen Eigenanteil, laut Deutscher Aidshilfe derzeit 10 Euro für eine Dreimonatspackung. Ab 2027 steigen die gesetzlichen Zuzahlungen laut Bundesgesundheitsministerium um die Hälfte.
Private Krankenversicherungen haben eigene Regeln. Auf Privatrezept kann dir jede Ärztin und jeder Arzt die PrEP verschreiben, Medikament und Tests zahlst du dann selbst. Praxen findest du über ein Suchwerkzeug des Bundesgesundheitsministeriums, die Liste der dagnä oder prep.jetzt, alle verlinkt bei der Deutschen Aidshilfe. Tests auf HIV und Geschlechtskrankheiten bieten auch viele Aidshilfen, Checkpoints und Gesundheitsämter an, dort anonym. Für Menschen ohne Krankenversicherung haben manche Gesundheitsämter eigene Angebote.
Österreich
Seit dem 1. April 2024 erstatten die Krankenversicherungsträger ÖGK, SVS und BVAEB bis zu 60 Euro pro Monatspackung und 25 Euro pro Quartal für das ärztliche Beratungsgespräch, auch für mitversicherte Angehörige. Du bezahlst also zuerst in der Apotheke und reichst dann Rezept und Rechnung ein, zum Beispiel über MeineSV. Versicherte der Krankenfürsorgeanstalten (KFA) sind laut Aids Hilfe Wien noch nicht erfasst.
Die PrEP ist rezeptpflichtig, und für Abklärung und Begleitung braucht es laut Sozialministerium auf HIV spezialisierte Ärztinnen und Ärzte. Eine Liste mit Praxen und Apotheken führt die Österreichische AIDS-Gesellschaft. Die Kontrollen auf HIV und andere Geschlechtskrankheiten finden alle drei Monate statt. Laut Aids Hilfe Wien ist die Kostenübernahme derzeit nur bis Ende 2027 gesichert, über eine dauerhafte Lösung wird politisch noch diskutiert. Beratung bekommst du bei der Aids Hilfe Wien und den anderen Aidshilfen Österreichs.
Schweiz
Seit dem 1. Juli 2024 übernimmt die obligatorische Grundversicherung die PrEP, also Medikament, ärztliche Leistungen und Labor, für bestimmte Gruppen. Dazu gehören Männer, die Sex mit Männern haben, wenn mindestens ein Kriterium zutrifft, etwa Analsex ohne Kondom, eine Geschlechtskrankheit oder eine PEP in den letzten zwölf Monaten. Voraussetzung ist außerdem, dass du in der Schweiz krankenversichert bist und deine Praxis beim Netzwerk SwissPrEPared dabei ist und über die Krankenkasse abrechnen darf. Selbst mitmachen musst du bei SwissPrEPared nicht.
Wie bei allen Leistungen in der Schweiz zahlst du Franchise und Selbstbehalt. Bei täglicher Einnahme kostet die PrEP laut Aids-Hilfe Schweiz etwa 2.000 bis 2.500 Franken im Jahr, die abzüglich deiner Kostenbeteiligung übernommen werden. Die Regelung ist eine Evaluation: Bis Dezember 2026 prüft das Eidgenössische Departement des Innern, ob die PrEP dauerhaft im Leistungskatalog bleibt. Aktuelle Antworten, auch zur Wahl der Franchise, gibt die Aids-Hilfe Schweiz.
Niederlande
In den Niederlanden zahlt die Krankenversicherung die PrEP-Tabletten laut Soa Aids Nederland noch nicht, du kaufst sie selbst in der Apotheke. Der Preis unterscheidet sich je nach Apotheke, das RIVM nennt im Schnitt etwa 30 Euro für 30 Tabletten. Die Betreuung durch die Hausärztin oder den Hausarzt zahlt meist die Versicherung, Laborkosten gehen allerdings vom Eigenrisiko ab. Nicht jede Hausarztpraxis verschreibt die PrEP.
Die Alternative ist die GGD: Seit dem 1. August 2024 gehört die PrEP-Betreuung dauerhaft zum Angebot der Zentren für sexuelle Gesundheit. Beratung und Tests auf Geschlechtskrankheiten sind dort für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko kostenlos, die Tabletten zahlst du auch hier selbst. Weil das Budget begrenzt ist, kann es Wartelisten geben. Frag am besten bei der GGD in deiner Nähe nach. Gut erklärt ist das alles bei Soa Aids Nederland.
Darüber reden
Ob du die PrEP nimmst, Kondome benutzt oder beides, ist deine Entscheidung. Ein offenes Wort darüber, am besten vor dem Treffen, macht vieles leichter. Und wer in einer Situation unsicher ist, findet bei den Aidshilfen und Checkpoints eine vertrauliche Beratung.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Auf DaddyBoy
Im Lexikon findest du Kurzfassungen zu „PrEP“ und „n=n“. Ob du im Profil unter „Safer Sex“ etwas zu PrEP oder Tests angibst, ist freiwillig und allein deine Entscheidung.

