Am 12. September haben wir die Radio-Leiste angekündigt und dazugeschrieben, die ersten Sender kämen, sobald wir welche gefunden hätten. Dann stand der Bereich eine Weile ziemlich leer herum. Das ist jetzt vorbei: Unter Radio laufen vierzehn Sender aus sechs Ländern.
Wer jetzt läuft
Deutschland stellt fünf. PRIDE1 aus Hamburg sendet seit 2006, werbefrei und gemeinnützig, mit einem ehrenamtlichen Team und moderiertem Programm. GayFM aus Berlin macht seit 2004 Dance, House und Clubhits rund um die Uhr. Dazu zwei Sendungen aus dem freien Radio, die älter sind als die meisten Apps auf deinem Telefon: die Schwule Welle bei Radio Dreyeckland Freiburg, seit 1988 und damit die älteste noch laufende Sendung ihrer Art in Deutschland, und Rosarauschen beim Querfunk Karlsruhe, seit 1995 ohne Unterbrechung.
Und dann ist da NDWRadio.de aus Dettingen an der Erms: ein Hobbysender für Neue Deutsche Welle und deutschen Pop der Achtziger, bekannte Klassiker und viel, was man seit Jahren nicht gehört hat. Mit queerem Radio hat er nichts zu tun und steht trotzdem in der Liste, weil er hier gut ankommt – besonders bei den Mitgliedern jenseits der fünfzig. Der Rest der Liste ist nämlich ziemlich einhellig Dance, House und Club, und das ist nicht für jeden das Richtige für einen ganzen Nachmittag.
Dazu die Offenlegung, bevor sie jemand anders macht: NDWRadio.de betreiben wir selbst. Genauer gesagt ist es das private Hobby desselben Menschen, der auch DaddyBoy betreibt – zwei Sachen, die nichts miteinander zu tun haben, außer dass sie sich hier begegnen. Für dich ändert das nichts, außer dass deine IP-Adresse beim Abspielen ausnahmsweise bei einem Sender landet, den du schon kennst. Mit deinem Konto verknüpft wird sie auch dort nicht.
Aus der Schweiz kommt QUEER RADIO aus Zürich, deutschsprachig, Dance und House mit Nachrichten und Veranstaltungstipps aus der Szene.
Die Niederlande liefern drei: Pidi Radio aus Amsterdam mit Pride-Hits und Queer Classics, in Amsterdam auch über DAB+ zu hören; Gay Radio Nederland, tagsüber niederländische Hits und Klassiker, abends Dance und Disco; und Pride.Radio, das junge Projekt unter dem Motto „Be Pride – Be Radio“.
Aus Großbritannien sind GlitterBeam und Pride Radio NRG dabei. GlitterBeam wird ehrenamtlich aus Gravesend betrieben, Motto „Music with Sparkle“, seit 2021 in mehreren Regionen über DAB. Pride Radio NRG ist der Dance-Kanal von Pride World Media aus Newcastle, 2021 als Community Station of the Year ausgezeichnet.
Spanien schickt Queer Uno Radio aus Madrid, queere Dance- und Elektromusik, und Gaymas aus Maspalomas auf Gran Canaria – House, Tech House und Tribal, im Grunde der Soundtrack der Insel. Aus Frankreich ist GayRadio.fr dabei, aktuelle Pop-Hits und Musikwünsche.
Zwei davon sind Sendungen, keine Dauerschleife
Ein Hinweis, damit du nicht enttäuscht bist: Die Schwule Welle und Rosarauschen haben feste Sendezeiten – donnerstags abends beziehungsweise freitags abends, jeweils mit Wiederholung. Wenn du zu einer anderen Zeit auf Abspielen tippst, hörst du das normale Programm des freien Radios, bei dem die Sendung zu Gast ist. Das ist kein Fehler, das ist freies Radio. Die Zeiten stehen bei jedem der beiden Sender in der Beschreibung.
Warum wir doch nicht vorher gefragt haben
Im September stand hier, wir würden jeden Sender um Erlaubnis bitten, bevor er erscheint. Diese Zusage haben wir zurückgenommen, und das gehört gesagt statt stillschweigend geändert.
Der Grund: Wir binden nichts ein, wofür man fragen müsste. Wir verlinken den öffentlichen Stream eines Senders, und dein Browser holt ihn direkt dort ab – bei uns läuft er nicht durch. Es gibt keinen Zwischenspeicher, keinen Mitschnitt, keine Playlist. Wir überspringen keine Werbung und keine Ansagen, wir umgehen keine Zugangssperren, und jeder Sender steht mit Namen und einem Link auf seine eigene Seite bei uns. Das ist dasselbe, was passiert, wenn du die Adresse des Streams in deinen Musikplayer tippst – nur bequemer.
Um Erlaubnis zu fragen hätte bedeutet, wochenlang auf Antworten zu warten, die bei vielen kleinen, ehrenamtlichen Sendern nie gekommen wären. Was bleibt, ist ein Versprechen in die andere Richtung: Wenn ein Sender nicht möchte, ist er am selben Tag raus. Ohne Diskussion, ohne Begründungspflicht. Gleiches gilt für die Logos – wir zeigen sie unverändert zur Kennzeichnung, und auf Zuruf verschwinden sie.
Was der Sender von dir mitbekommt
Weil der Stream direkt von dort kommt, sieht der Sender in dem Moment, in dem du abspielst, deine IP-Adresse und deinen Browser. Mehr nicht: kein Konto, kein Pseudonym, kein Profil, nichts darüber, dass du gerade bei uns bist. Solange du nichts abspielst, erfährt er gar nichts. Das steht so auch in der Transparenzseite unter „Externe Dienste“ und in Abschnitt 5 der Datenschutzerklärung.
Wenn in der Leiste Künstler und Titel stehen, kommen die übrigens nicht von dir: Die fragt unser Server alle paar Sekunden für den laufenden Sender ab, und der Sender sieht dabei nur uns.
Und noch etwas Wichtiges: Unterwegs geht ein Stream auf dein Datenvolumen. Ein paar Stunden Radio im Mobilnetz summieren sich.
So bedienst du es
Ein Tipp auf den grünen Knopf startet den Sender. Die schmale Leiste am unteren Rand spielt weiter, während du durch Profile blätterst oder chattest – sie gehört nicht zur Seite, sondern liegt darüber, deshalb reißt beim Seitenwechsel nichts ab. Am Telefon wechselst du den Sender direkt aus der Leiste. Zweimal Esc stoppt sofort, genau wie das Schnellausblenden über das Schild: Wer die Seite in Eile verlässt, soll nicht plötzlich Clubmusik im Zimmer haben.
Wünsch dir einen
Die Liste ist nicht fertig. Wenn du einen queeren Sender kennst, der fehlt – gern auch aus einem Land, das oben nicht vorkommt –, schreib ihn uns. Besonders gesucht ist alles, was nicht Dance ist: Schlager, Chanson, Rock, Oldies, Country – queer oder nicht, Hauptsache er passt zu jemandem hier. Unter Hilfe & Kontakt erreichst du uns, der Knopf „Fehler melden“ steht auf jeder Seite ganz unten, und unter Konto › Meine Anfragen siehst du, was daraus geworden ist. Wir brauchen nur den Namen, den Rest finden wir.



